Erste Pfälzer Schule führt E-Sport ein

„Fifa“ zocken statt beim Völkerball schwitzen: Die Schüler der Gesamtschule St. Julian haben seit diesem Schuljahr neue Sportkurse auf dem Stundenplan. E-Sport, sportlicher Wettkampf in Computerspielen, ersetzt dort traditionelle Disziplinen. Vorbild für den pädagogischen Ansatz sind norwegische Schulen, die Westpfälzer Gesamtschule will damit aber auch Kosten sparen. Andere Pfälzer Schulen haben angekündigt, nachzuziehen.

Von Sigmar Seelenbrecht

St. Julian. „Klick, Klick, Klick“, macht es im abgedunkelten Klassenzimmer 203. Aus den schwarzen Kästen vor den Schülern der 7a dringt das Rauschen der Computer-Lüfter. Vorne steht Sportlehrer Paul Pannewitz. „BÄÄÄM! Eins Null“, schreit plötzlich einer der Jungs. Es ist die fünfte Unterrichtsstunde an diesem Montagnachmittag. Normalerweise wäre die Klasse jetzt in der Turnhalle. An der Wand neben Pannewitz hängt der neue Stundenplan: Zum ersten Mal steht dort„E-Sport“. Heißt: Elektronischer Sport. Gerade spielen die 14-Jährigen Fußball an den Computern. „Zum Auftakt machen wir Mädchen gegen Jungs. Das ist super und total auf Augenhöhe“, schwärmt Sportlehrer Pannewitz vom neuen Schulsport-Konzept.

Bockspringen, Volleyball und der Cooper-Test haben ausgedient

Die westpfälzische Gesamtschule der 15.000-Einwohner-Stadt St. Julian ist die erste in der Pfalz, die das neue Schulfach „E-Sport“ eingeführt hat. „Es ersetzt alle bisherigen Disziplinen wie Gymnastik, Leichtathletik und Mannschaftssport“, erklärt Pannewitz. Die Idee dazu hatte Schulleiterin Beatrice Ginkel: „Das Modell ist in Norwegen bereits etabliert, dort haben die Schulen gute Erfahrungen mit dem elektronischen Sport gemacht.“ Dort habe man früh die Vorzüge des computerbasierten Sports für die Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten erkannt. „Studien des amerikanischen  Cordozar Calvin Junior Institute of California (CCJ) haben gezeigt, dass die Hand-Augen-Koordination beim Computerspielen, die Orientierung im Raum und das strategische Denken fördern.“

Finanzielle Unterstützung vom Land

Gefördert wird die E-Sport-Einführung vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium. Das stellt auch die technische Ausstattung für das Pilotprojekt. Die Kosten für die Schule hielten sich daher in Grenzen, so Ginkel. Zum ersten Fußballspiel an der Gesamtschule kam heute auch Bildungsministerin Hildegard Schmitt (CSU) persönlich. „Es ist wichtig, dass der Schulalltag an die Lebensrealität unserer Schüler in Rheinland-Pfalz angeglichen wird“, sagte Schmitt bei ihrem Besuch. „Die technische Revolution bringt neue Herausforderungen mit sich“, erklärte sie. Schmitt selbst probierte sich dann auch einmal aus.

Abschied von der Turnhalle

„Frau Schmitt hat das schon ganz gut gemacht“, sagte der 13-Jährige Sven Haller, der mit der Bildungsministerin in derselben Mannschaft gespielt hat. Sven ist begeistert von dem neuen Konzept, denn er spielt privat viel am Computer. „Es ist, als ob uns endlich mal jemand verstanden hat“, sagte er bei der Einführungsstunde.

Andere Schulen in der Pfalz seien vom dem Konzept überzeugt, sagte Hildegard Schmitt. Auch, weil es dank der Förderung durch das Land, Kosten spart. „Die Turnhalle haben wir bereits verkauft. Deren Unterhalt war eh viel zu teuer“, erzählte Schulleiterin Ginkel, sichtlich erleichtert.

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